Du betrachtest gerade Nie wieder ist jetzt! Fahrt zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Vom „Land der Dichter und Denker“ sind es in Thüringen 8,3 Kilometer zum „Land der Richter und Henker“. Vom malerisch restaurierten Zentrum des Städtchens Weimar, zieht sich kilometerlang die „Blutstraße“ den Ettersberg hinauf. Hier, wo Goethe gern wanderte und auf der Schloss Ettersburg weilte, da mussten 1937 die Gefangenen des NS-Regimes teils mit bloßen Händen eine Straße zum neu entstandenen Konzentrationslager bauen – unter großen Menschenopfern, der Name spricht Bände. Goethe, Schiller und ein Konzentrationslager? Die Stadt Weimar wollte Ihren Ruf als Stadt der Deutschen Klassik nicht beflecken, also wurde für das neue Lager der Name „Buchenwald“ erfunden. Buchenwald, ein Lager, wo 50.000 Männer zusammengepfercht wurden, wo Tausende in die Vernichtungslager weitergeleitet wurden, wo sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden … und wo schließlich die Sowjetunion ein „Speziallager“ errichtete, in dem weiterhin Tausende starben.

Buchenwald, das in der DDR-Zeit zum Paradebeispiel für den antifaschistischen Widerstand der Kommunisten stilisiert wurde. Es gibt jede Menge aufzuarbeiten an der deutschen Geschichte hier in Buchenwald. Und das zu einer Zeit, wo das „Nie wieder!“ zu bröckeln beginnt.

Der Schuljahresbeginn hatte es in sich für 20 Schüler.innen unserer Jahrgangsstufen 10 – 13. In Zusammenarbeit mit „aktuelles forum e.V.“, einer gemeinnützigen Institution für demokratische politische Bildung, reiste unsere Gruppe mit Frau Horn von „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“ und dem Geschichtslehrer Herrn Koep vom 2. – 4. September in die Gedenkstätte Buchenwald. Drei Tage intensives Seminar-Programm boten eine vielseitige und durchaus beklemmende Begegnung mit der Vergangenheit. Mit den Abgründen der menschlichen Verrohung, mit verzweifelten Überlebensversuchen und ungebrochenem Widerstandsgeist – aber auch mit den Aufgaben einer Gedenkstätte: Wie kann man das Geschehene präsentieren, ohne die Würde der Opfer zu verletzen?

„Jedem das Seine“ – Der zynische Spruch auf dem Lagertor sollte den Insassen ihre verzweifelte Lage als „gerecht“ aufzeigen.

In der Stadt der „Dichter und Denker“, unsere Reisegruppe vor dem Denkmal von Goethe und Schiller in Weimar.

„Gefängniskleidung“ im Museum des Lagers. Die Lagerinsassen wurden auf ihre Nummer reduziert, die auf Brust und Rücken gedruckt war. Die Kleidung war dünn, im Winter wurden viele Menschen krank. Im Lager starben etwa 56.000 an Erschöpfung, Krankheit und grausamen Verbrechen des Lagerpersonals der SS.

Stacheldraht und Starkstrom – Das riesige Lager war von einem Zaun umgeben, es patrouillierten bewaffnete SS-Wächter. Manche Gefangenen griffen in die elektrischen Leitungen um ihrem Leiden ein Ende zu machen.

Der Bahnhof von Buchenwald, über diese Gleise wurden nicht nur Gefangene transportiert, sondern auch Material für die Rüstungsfabriken neben dem Lager, wo die Insassen Zwangsarbeit verrichteten.

Besuch in der Restaurationsabteilung der Gedenkstätte. Hier werden Fundstücke für das Archiv und das Museum katalogisiert und aufbereitet. Auch heute noch finden sich immer wieder Reste des Lagerlebens.

Das Krematorium von Buchenwald. Das KZ war kein Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau, dennoch starben hier täglich (!) zwei Dutzend Menschen.

Markierung entlang der Bahnstrecke von Weimar nach Buchenwald. Die Bahnlinie mussten die Häftlinge unter Hochdruck in Extraschichten bauen, das kostete zahllose Menschenleben.

Abendstimmung am ehemaligen Steinbruch des KZs. Die idyllische Landschaft faszinierte einst Goethe, sie steht im krassen Gegensatz zur grauenhaften Realität des Lagers. Wie haben die Gefangenen den Sonnenuntergang erlebt?

Die Gedenktafel für die Opfer des Konzentrationslagers Buchenwald führt die 50 Herkunftsländer der etwa 280.000 Gefangenen auf. Die Metallplatte wird auf konstant 37 Grad erwärmt: die Temperatur des Lebens.