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"Antworten haben wir auch nicht"

(Ein Wandbild im Sinne der Klimaschutzbestimmung der "Agenda 21")

In der Projektwoche, kurz vor den Sommerferien ?98, wurde von Frau Lindenau und dem Künstler Klaus Klinger angeboten, ein Wandbild zum o. g. Thema herzustellen. Schülerlnnen der Klassen 10 und 12 waren aufgefordert, Ideen zu sammeln, Entwürfe vorzuschlagen. Ein Konsens wurde bald nach dem ersten Treffen gefunden. Das Hauptmotiv sollte ein Menschenkopf sein - der Mensch als Träger von Verantwortung.

Ein wichtiges Motiv war die Brille. Wenn jemand durch eine rosa Brille schaut, so meint das: er möchte nur das sehen, was er sehen will. Die Menschen handeln oft nach diesem Prinzip. In der Brille sehen wir Motive, die durch Strand, Meer und Palmen das schöne Idyll beschreiben. Dieses Panorama wünscht sich jeder einmal zu bereisen oder zu bewohnen. Was aber die Umweltverschmutzung im eigenen kleinen Kosmos auch dort bewirkt, wollen die meisten nicht sehen. Oberhalb der Brille ist als Stirn oder Haaransatz die Realität in Form einer erdrückenden Großstadt dargestellt. Motive aus Düsseldorf wurden integriert, um die Entwicklung auch lokal anzuzeigen. Ein Appell ist auch hier! Die Nase ist eine Tomate, in der eine "Gen-Spritze" steckt, die auf die zunehmende Gefahr von Genmanipulation und Cloning hinweist. Die Fläche unterhalb der Brille ist eine "Endzeit-Wüstenlandschaft" mit Erdmännchen, letzte überlebende, die in dieser Öde keine Zukunft mehr haben. Unterhalb der Wüste ist das Meer, in dessen Wellen Häuser und Müll der Menschen untergehen. Die Banane als Mund ist eine Anspielung auf die dritte Welt und den Bezug der westlichen Industriegesellschaft zu ihr, beherbergt Menschen, die als stetig wachsende Population der Erde, als Leittragende der dritten Welt wie als Flüchtlinge zu sehen sind. "Zu sehen" meint: Der Betrachter soll in seiner Interpretation des Bildes nicht eingeengt werden durch die von uns vorgegebene Auslegung der Motive. Es ist Intention, das Bild so auszulegen, wie der Betrachter sich darin wiederfindet und es versteht.

Es mag auffallen, dass die Motivwahl den Anschein von Erdrückung und Furcht hat. Dies war in der Gruppe die einstimmige Resonanz auf das Thema. Wir wollten kein "Schöngerede". Die Wahrheit über die Zukunft sah für uns so aus, gesetzt den Fall, es ändert sich nichts. Martin Mainz? Wandbilder sind Stadtkultur. Sie laden ein, miteinander zu reden, konstruktiv zu streiten. Sie zeigen etwas über die Nutzer der Gebäude. Was lernen Schülerlnnen bei der Herstellung eines Wandbildes? Sie müssen ihre Vorstellungen überzeugend vertreten. Kooperieren. Bis zum Ende durchhalten... "Das Malen an der Wand war für meine Entwicklung wichtig" stellte ein Schüler der Wandmalgruppe fest. Wandmalen ein Prozess der Selbstfindung? Stärkung des Selbstbewusstseins ist sicher ein erklärtes Ziel der Schule.

 

Petra Lindenau

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