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Rechtsextremismus in NRW? Analysen, Ansichten und Antworten

Schülergespräch mit Dr. Pfeiffer in der Hulda-Pankok-Gesamtschule, 18.10.2006

Bundesweit werden täglich drei rechtsextreme Gewalttaten registriert und in NRW steigen die rechtsextremen Straftaten um 16,7 % - Tatsachen, die sehr beunruhigen.

Grund genug, die Strategien der Rechtsextremen näher zu beleuchten.

Der Düsseldorfer Appell organisierte daher im Rahmen des diesjährigen Respekt-und-Mut-Programms am 18. Oktober ein Schülergespräch mit Dr. Thomas Pfeiffer in der Hulda-Pankok-Gesamtschule, die uns dankenswerterweise wieder einmal ihre Aula zur Verfügung stellte.

Herr Pfeiffer, der beim Verfassungsschutz NRW in der Abteilung Aufklärung arbeitet, zeigte rund 80 Oberstufenschülern  anhand von Videos und Plattencovern Beispiele der rechtsextremen Strategien Jugendliche für ihre Erlebniswelt zu gewinnen.

So gibt der NPD-Funktionär und sächsische Abgeordnete Thorsten Heise in einem Interview unumwunden zu, dass eine gute gemachte CD mit ?nationalen? Liedern besser als jedes Flugblatt ist. Die rechtsextreme Propaganda lasse sich untergründig über Musik so viel besser vermitteln, was in der anschließenden Diskussion bei den Schülern auf empörte Ablehnung stieß. Es geht den Rechten nicht um Musik, Kunst und natürlich auch nicht um die damit sonst verbundene Freiheit, sondern um kaltes, zynisches Propagandakalkül.

Wie menschenverachtend die Texte von Bands wie ?Landser? oder ?Die Härte? sind, konnten die Schülerinnen und Schüler über kurze Einspieler erfahren. Herr Pfeiffer hat nach jeder dieser ?Hörproben? mit den Schülern die Texte analysiert und ihren rassistischen Wesenskern herausgefiltert, die oft direkt zu Gewalttaten an Menschen aufrufen, die nicht ins völkische Gesellschaftsbild der extrem Rechten passen.

Am Beispiel eines Videos in dem sich die ?Kameradschaft Rhein-Neckar? vorstellte, konnten die Schüler erfahren, wie sich Rechtsextremisten selber darstellen, aber auch welche Angebote sie machen. ?Reich mir die Hand ? Nationaler Widerstand? heißt es da und ist als konkrete Aufforderung gemeint, mitzumachen bei solch dunkelgemansichen ?Freizeitaktivitäten? wie Axtwerfen, Aufmärschen oder Sonnwendfeiern. ?Das ist ja so  wie eine Art Bruderschaft? bemerkte dazu ein Schüler.

Was das Ergebnis solcher kameradschaftlichen Gemeinsamkeiten sein kann, ist dann in den Zeitungen zu lesen, wenn wieder einmal über einen ausländerfeindlichen Überfall berichtet wird oder wenn die Statistik vermeldet, dass seit 1990 bundesweit 133 Menschen von Rechtsextremen ermordet wurden.

Die abschließende Diskussion wurde recht lebhaft geführt, denn es war für viele Schüler verständlicherweise schwer zu verstehen, warum diese gewalttätigen rechtsextremen Dumpfdeutschen immer wieder ihre menschenfeindlichen Parolen verbreiten und demonstrieren dürfen. Es ist in der Tat schwer auszuhalten, so Herr Pfeiffer, aber das Demonstrationsrecht auch für Gruppierungen, die furchtbar sind, kann nicht einfach ausgehebelt werden. Außerdem sei es zweifelhaft, ob ein NPD-Verbot wirklich helfen würde.

Nun, so könnte ein vorläufiges Fazit lauten, selbst wenn alle rechtsextremen Organisationen verboten würde, der Rassismus bliebe in der Welt. Dagegen zu streiten, sollte freilich für jeden freiheitsliebenden Menschen eine demokratische Verpflichtung sein.

Was man konkret tun kann,  erzählte zum Schluss eine Schülerin: An ihrer früheren Schule wurden die Schulhof-CD, die vor zwei Jahren stellenweise von den Rechten verteilt wurden, einfach in einen bereitgestellten braunen Mülleimer geworfen.

 

Beispiele, die Schule machen ? die Hulda-Pankok-Schule beweist jeden Tag wie  multikulterelles lernen und zusammen sein funktionieren kann.

Das Schülergespräch konnte dafür hoffentlich ein kleiner Beitrag sein.

Schönen Dank an den profunden Herrn Pfeiffer, an den umsichtig-humorvollen Herrn Koep und an die engagierten, interessierten Schülerinnen und Schüler.       

 

Verbundene Grüße,

Volker Neupert

(Düsseldorfer Appell)

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